Geflochtenes Körbchen aus Löwenzahnstängeln

So erstaunlich es klingen mag: aus den langen Stielen der Pusteblumen kann man wunderschöne Körbchen flechten, die sogar stabil und haltbar sind! Wie das genau geht, ist im folgenden Beitrag ausführlich beschrieben.

Nachdem sich die zahlreichen sonnengelben Blüten des Löwenzahn (Taraxacum officinale) auf wundersame Weise über Nacht in Pusteblumen verwandelt haben, wachsen ihre Stiele noch weiter in die Höhe. Damit steigt die Chance, dass die Samen mit ihren Flugschirmen vom Wind in die weite Welt getragen werden.

Diese geniale Verbreitungsstrategie – zusammen mit einer Wurzel, die auch harte Winter übersteht und im Frühjahrzuverlässig wieder austreibt, hat den Löwenzahn in vielen Regionen der Erde heimisch gemacht – und ihn zum einem der am meisten bekämpften „Unkräuter“ werden lassen. Dabei ist der Löwenzahn eine in allen Teilen interessante und wertvolle Pflanze, die nicht nur für Insekten und andere Tiere eine wichtige Futterquelle ist und damit einen wichtiger Beitrag im Ökosystem ist, sondern ist auch für den Menschen essbar und gesund.

Vor allem die Blätter werden wegen ihrer Inhaltsstoffe, insbesondere Bitterstoffe und Vitamine) als Salat und Wildkraut geschätzt, auch die Wurzeln (Inulin), Knospen und Blüten sind essbar und sogar kulinarisch interessant, z.B.:

Salade Lyonnaise – Löwenzahnsalat mit Ei und Speck
Tomaten-Quinoa-Salat mit Löwenzahn
Löwenzahn-Radicchio-Salat mit Honig
Eifeler Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse
Stamppot mit Endivien und Löwenzahn
Löwenzahnknospen-Chutney
Löwenzahnblüten-Panna Cotta

Am wenigsten Beachtung finden üblicherweise die Stängel. Wegen des weißen Milchsafts, der oft als giftig angesehen wird, werden sie gemieden. Dieser kautschukartige Milchsaft ist tatsächlich ungiftig, kann jedoch hartnäckige Flecken hinterlassen. Dieser Milchsaft, der sogar Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen für die industrielle Nutzung ist, macht die Stängel als Flechtmaterial besonders stabil und haltbar. Außerdem sind sie aufgrund ihrer parallel verlaufenden Fasern und der Länge von bis zu 50 cm gut geeignet.

Man muss die Löwenzahnstiele nur sammeln, wenn die Pusteblumen mehr oder weniger vorbei sind, und sie trockenen. Dazu kann man sie entweder in einem Karton ausbreiten und an einem luftigen Ort trockenen lassen, oder man bindet sie an den verblühten Köpfen zusammen und hängt sie zum Trocknen auf. Der Trocknungsprozess dauert, je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur, 3-7 Tage.


Die Stiele sind trocken, wenn sie leicht rascheln. Zum Verarbeiten müssen sie dann allerdings wieder befeuchtet werden. Das geht am besten, indem man die Menge, die man verarbeiten möchte, kurz unter Wasser hält und sie dann in einem trockenen Handtuch 20-30 Minuten durchweichen lässt. Anschließend sind die Stiele wieder biegsam und brechen nicht ab. Sie sollen aber auch nicht vollkommen durchweicht sein.


Am besten werden die Stiele nach Dicke sortiert. Für den Anfang des Körbchen, den Boden, werden 12 möglichst dicke und lange Stiele benötigt.


6 Stiele parallel nebeneinander legen und auf einer Seite beschweren. Dann die 6 anderen Stiele abwechselnd über und unter die liegenden Stängel flechten, dabei immer wieder zusammenschieben, bis ein gewebtes Quadrat entsteht.


Nun einen dünneren Stängel in der Mittel knicken und um den linken oberen Stängel, der aus dem Quadrat herausragt, herumlegen. Dann nach rechts (Linkshänder nach links) mit dem Flechten beginnen, indem immer der vordere „Flechtstängel“ hinter dem nächsten Stängel herum wieder nach vorne geführt wird. Die beiden Enden wechseln sich dabei immer ab und halten die „Rippen“ des Quadrats in Position. Diese zwischendurch immer wieder vorsichtig etwas festziehen, damit ein dichtes Gewebe entsteht, und gleichmäßig (wie Sonnenstrahlen) verteilen. Auf diese Weise mehrere Runden flechten.


Wenn ein Flechtfaden zu Ende ist, werden die letzten Zentimeter mit einem neuen Flechtstängel doppelt gelegt. Das Ende des vorigen und der Anfang des neuen Stängels sollten möglich auf der Innenseite stehenbleiben. Sie werden später abgeschnitten.


Nach einigen Runden zum Rand des Körbchens übergehen, indem die Runden nicht mehr nach außen größer werden, sondern im Umfang etwa so bleiben wie die vorherige Runde. Den Rand auf die gleiche Weise in Runden arbeiten. Wenn eine der Rippen des ursprünglichen Quadrats zu kurz oder zu dünn wird, wird, so wie beim Flechtfaden, eine neue überlappend angesetzt.


Die Größe, Form und Höhe des Körbchens kann man selbst beeinflussen, indem man länger weiter nach außen arbeitet oder die Runden enger werden lässt. Eine etwas kugelige Form ergibt sich leicht, weil die Rippen sehr biegsam sind. Wenn die Rippen zwischendurch zu trocken werden, das Körbchen (nur mit den Rippen) kurz in Wasser tauchen und ein paar Minuten einweichen lassen.


Wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, wird ein Rand geflochten, damit sich das Körbchen nicht auflöst. Dafür wird eine der Rippen hinter der nächsten Rippe, vor der übernächsten (2. von links), hinter der folgenden (3. von links) und zwischen der 3. und 4. wieder nach vorne geführt. Mit der nächsten Rippe (rechts von der ersten) wird dann genauso verfahren. Dadurch entsteht eine zopfartige Flechtstruktur, die verhindert, dass die Flechtfäden oder Rippen später herausrutschen können. Klingt komplizierter als es ist.


So sieht das Körbchen am Ende von oben (Flechtrand) und von unten (Boden aus dem ursprünglichen Quadrat aus). Zum Schluss werden alle überstehenden Ansätze mit einer spitzen, scharfen Schere abgeschnitten. Bei den Rippen des Flechtrands kann ein wenig Überstand verbleiben, das macht den Rand dekorativer und stabiler.


Anschließend das Körbchen vollständig trocknen lassen (nicht in der Sonne!) und dabei eventuell auch vorsichtig noch etwas zurechtbiegen. Die Stängel erhalten im getrockneten Zustand einen goldenen Schimmer.


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Avatar von Unbekannt

Autor: Maison Rieck Manufaktur

Kräuterpädagogin, Fermentista, leidenschaftliche Köchin, Naturmaterial-Künstlerin, Fränkin