Waldmeister-Limonade

Er hat jedes Jahr nur für ein paar Wochen seinen großen Auftritt: der Waldmeister. Es lohnt sich, sein unvergleichliches Aroma zu konservieren und vielseitiger zu nutzen, als nur für Maibowle.

Das Aroma von echtem Waldmeister (Galium odoratum) hat mit dem künstlichen Aroma, das manchen Lebensmitteln samt grüner Farbe zugesetzt wird, wenig bis gar nichts gemeinsam. Wer das „Maikraut“ im Wald und einer schattigen Wiese findet und einen Stängel pfückt, um daran zu riechen, wird allerdings enttäuscht sein. Die frische Pflanze hat kaum einen merklichen Geruch, erinnert vielleicht ansatzweise an frisch gemähtes Gras. Steckt man jedoch ein paar Stängel in die Tasche und holt sie nach ein paar Stunden wieder hervor, wird man von einem betörenden Duft überrascht.


Das liegt daran, dass die im Waldmeister enthaltenen Cumarin-Glycoside erst beim Welken Cumarin freisetzen, das für den charakteristischen Geruch und Geschmack verantwortlich ist.

Waldmeister wird als „kaum giftig“ eingestuft und sollte nicht in großen Mengen über einen längeren Zeitraum konsumiert werden. Das ist aber auch nicht nötig, da auch kleine Mengen bereits ein intensives Aroma abgeben. Als Grundregel gilt, nicht mehr als 3g des getrockneten Krauts auf einen Liter Flüssigkeit zu verwenden. Zum Vergleich: die oben abgebildete Menge wiegt trocken insgesamt 1,5g.

In der Volkheilkunde wurde das Waldmeisterkraut in geringer Dosierung unter anderem gegen Kopfschmerzen eingesetzt – in zu großer Menge kann er dagegen Kopfschmerzen verursachen.


Um vollständig zu trocknen, braucht das zarte Kraut je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit 1-3 Tage. Tipp: wenn es schneller gehen soll, kann man kleine Mengen auch auf das Brötchengitter des Toasters legen und 1-2 mal erwärmen. Ein wenig des Waldmeisterdufts verteilt sich dann umgehend im Raum und entfaltet eine entspannende Wirkung, die man im übrigen auch mit einem Räucherstövchen erzielen kann.

Um ein limonadenartiges Getränk mit Waldmeister herzustellen, zieht das getrocknete Kraut in einer Flüssigkeit für ein paar Stunden bis zu drei Tagen. Geeignete Flüssigkeiten sind:

– eine selbst hergestellte Limonade aus Wasser, Zucker und Zitronensaft
– Apfelsaft
– Wasserkefir (Zweitfermentation)
– Kombucha (Zweitfermentation)

Für die selbst hergestellte Limonadenbasis 900 ml Wasser mit 90g weißem Zucker und dem Saft einer mittelgroßen Zitrone in einer ausreichend großen Flasche mischen und so lange umrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die anderen Getränke, falls verwendet, ebenfalls in eine geeignete Flasche füllen.

3-4 getrocknete Waldmeister-Stängel mit in die Flasche stecken, die Flasche gut verschließen und ein paar mal schütteln, damit das Kraut vollständig in die Flüssigkeit getaucht wird.


Den Waldmeister bis zu einem Tag bei Zimmertemperatur ziehen lassen; zwischendurch immer mal probieren, wie intensiv der Waldmeistergeschmack bereits ist. Wenn der Auszug länger als 1 Tag dauert, die Flasche in den Kühlschrank stellen.

Wenn die gewünschte Intensität des Waldmeisteraromas erreicht ist, die Limonade durch einen Trichter in eine andere, heiß ausgespülte Flasche füllen. Dabei die Waldmeisterstängel und eventuelle Zitronenfasern herausfiltern.

Damit der Geschmack „limonadiger“ wird, die aromatisierte Flüssigkeit nach Belieben mit kohlensäurehaltigem Wasser aufgießen.


Kombucha und Wasserkefir bieten – neben dem süß-sauren Limonadengeschmack – vor allem den Vorteil, dass sie reich an probiotischen Mikroorganismen sind und der Zuckergehalt, je nach Länge der Erstfermentation, geringer als zum Beispiel bei Apfel- oder sonstigen Fruchtsäften.

Weitere leckere Verwendungsmöglichkeiten für das Maikraut sind:

Waldmeister Panna Cotta
Waldmeister-Apfel-Gelee
Mai-Plätzchen mit Waldmeister

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können!

Auch für die äußerliche Anwendung von Wildpflanzen ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.

Außerdem unbedingt die Vorschriften zum Naturschutz beachten und nur nachhaltig sammeln! Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!


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Avatar von Unbekannt

Autor: Maison Rieck Manufaktur

Kräuterpädagogin, Fermentista, leidenschaftliche Köchin, Naturmaterial-Künstlerin, Fränkin