Eifeler Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse

Die meisten Löwenzahn-Blüten sind inzwischen als Pusteblumen aufgegangen und haben ihre Samen, mit kleinen Fallschirmen versehen, vom Wind in alle Welt tragen lassen. Nun richtet sich der Fokus auf die Blätter, die im Frühjahr und frühen Sommer noch jung und saftig sind. Sie wachsen üppig und sind deshalb ein wunderbares Wildgemüse. Vor allem in einer deftigen Kombination mit Kartoffeln sind sie ein wertvolles Frühjahrs-Essen.

Die gelbe Pracht der Löwenzahn-Blüten ist so schnell vorbei wie sie gekommen ist. Über den Sommer, bis in den Herbst hinein, sieht man zwar immer wieder einzelne Löwenzahn-Blüten, aber in der großen Menge treten sie nur im Frühjahr auf. Trotzdem ist diese Wildpflanze fast das ganze Jahr über präsent. Ihr Blätter werden vor allem im Frühjahr als Salat oder Wildgemüse geerntet, denn dann ist das Grün noch zart und weniger bitter. Wobei gerade die Bitterstoffe den Löwenzahn (Taraxacum officinale) als Lebensmittel so wertvoll machen.

In früheren Zeiten hat man aus der Not eine Tugend gemacht und ihn in verschiedenen Formen in den Speiseplan aufgenommen. In manchen Regionen haben sich dadurch traditionelle Spezialitäten entwickelte, wie zum Beispiel der Salade Lyonnaise.

In den landwirtschaftlich geprägten Regionen der Eifel war der Löwenzahn nicht nur für das Vieh ein willkommenes Grünfutter. Dort hat sich ein traditionelles Gericht etabliert, das „Hongslatz“ oder auch „Hungslattse“ genannt wird. Es besteht aus gekochten Kartoffeln, Zwiebeln, Speck und reichlich Löwenzahn-Blättern und ergibt eine deftige, sättigende Mahlzeit.

Der Gehalt an Bitterstoffen nimmt in der Regel im Laufe des Jahres zu. Aber auch der Standort und andere Einflussfaktoren können bewirken, dass die Blätter einer Pflanze eher mild oder sehr bitter sind. Beim Sammeln ist es deshalb ratsam, ein kleines Stückchen einer Pflanze testweise zu probieren, bevor sie in den Korb und in den Topf kommen.

Wie bitter ein Gericht sein darf, hängt auch sehr vom individuellen Geschmacksempfinden ab. Manche lieben Bitterstoffe, andere mögen sie überhaupt nicht. Um sich langsam heranzutasten kann es deshalb sinnvoll sein, erst einmal weniger bittere Pflanzen zu sammeln und diese bis zu einer Stunde in lauwarmes Wasser zu legen, damit sie milder werden.

Bittere Pflanzenteile lassen sich besonders gut mit intensiven Aromen kombinieren. Deshalb ist ein wenig Speck in diesem traditionellen Gericht, ähnlich wie im Salade Lyonnaise, ein wichtiger Bestandteil. Er lässt sich aber auch durch vegane Speck-Alternativen wie z.B. gebratenen Räucher-Tofu ersetzen. Zusätzlich zu Speck und Zwiebeln bekommt das Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse noch Pepp durch Essig und schwarzem Pfeffer. Die gekochten Kartoffeln verbinden die Aromen und mildern ebenfalls die Bitterstoffe. Auch beim Löwenzahn-Radicchio-Salat ist ein kräftiges Dressing das A und O.

Eifeler Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse

Zutaten für 2-4 Portionen

100g       junge Löwenzahnblätter
50g        Speck, gewürfelt
2 EL       Rapsöl
1              mittelgroße Zwiebel oder Schalotte, gewürfelt
400g     Kartoffeln, mehligkochend vom letzten Jahr
                Salz oder ein wenig gekörnte Gemüsebrühe
                Pfeffer, frisch gemahlen
                Apfel- oder Weißwein-Essig

Zubereitung

Die Kartoffeln schälen und der Länge nach vierteln. In Salzwasser garen, bis sie weich sind.

Löwenzahnblätter gründlich waschen. Abtropfen lassen und in grobe Stücke schneiden.

In einer Pfanne das Rapsöl erhitzen, die Zwiebeln zusammen mit dem Speck darin glasig dünsten. Dann die Löwenzahnblätter zugeben. Unter Rühren weiter dünsten bis die Löwenzahnblätter zusammengefallen sind. Dann die gekochten Kartoffeln dazu geben und beim Rühren grob zerstampfen. 

Das Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse mit Salz, Pfeffer und etwas Essig abschmecken. Ggf. noch etwas Wasser zugeben und warm servieren.

Tipp: Statt mit Löwenzahn kann das Gericht auch mit anderem Wildgemüse wie z.B. Brennnessel, Giersch, Rainkohl oder Gänsedistel zubereitet werden.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.