Radieschenblätter-Pesto

Wenn im Winter die Auswahl an Wildkräutern begrenzt ist und Gartenkräuter auf dem Treibhaus oder aus Marokko kommen, lohnt es sich ein genauerer Blick auf Gemüse, das sich ohnehin im Kühlschrank befindet, zu richten.

Zugegeben, bei Radieschen denkt man erst einmal nicht an das Grünzeug, das an den leuchtend rot-violetten, kugelig-runden Speicherknollen dieser Rettich-Art hängt. Es dient augenscheinlich vor allem dazu, die Mini-Rettiche mit Hilfe eines Gummibands zu handlichen Bunden zu vereinen. Hat es diesen Zweck erfüllt, landet das Grünzeug im besten Falle auf dem Kompost oder in der Bio-Tonne.

Radieschen (Raphanus sativus ) sind eine Sorte des Garten-Rettichs, der wiederum zur Familie der Kreuzblütengewächse gehört. Diese Familie zeichnet sich vor allem durch Senfölglykoside aus, die vielen ihrer Vertreter den typischen scharfen Geschmack verleihen, z.B. Kulturpflanzen wie diverse Kohl-Arten, Senf, Rucola, Kresse, Meerrettich und Wildpflanzen wie Wiesenschaumkraut, Behaartes Schaumkraut, Barbarakraut und Knoblauchrauke.

Die Kulturgemüse sind meist so gezüchtet, dass ein Pflanzenteil besonders stark ausgebildet ist. Bei den Rettichen und Radieschen sind es die unterirdischen Speicherknollen. Trotzdem sind in der Regel alle Pflanzenteile essbar, so auch die Blätter dieser kleinen Rettich-Variante.

Geschmacklich ähneln die Radieschen-Blätter denen von Rucola und wilder Rauke und bilden daher eine gute Grundlage für ein würziges Pesto. Es lohnt sich deshalb, beim Kauf von Radieschen nach Bunden mit besonders frischem Grün Ausschau zu halten – dies lässt nebenbei auch auf knackige Radieschen schließen.

Statt der obligatorischen Pinienkerne passen geröstete Haselnüsse hervorragend zu dem leicht scharfen Grünzeug. Ein oder zwei frische Knoblauchzehen, etwas Salz und ein gutes Olivenöl dazu – fertig ist ein frisches Pesto!

Haselnüsse entfalten ihren intensiven Geschmack besonders gut, wenn sie vor der Weiterverarbeitung kurz geröstet werden. Dafür werden sie in einer Pfanne ohne Fett und unter ständigem Schütteln so lange erhitzt, bis sie ganz leicht anfangen zu duften und zu bräunen. Anschließend lässt man sie abkühlen und entfernt durch leichtes Reiben die äußere, braune Haut der Haselnusskerne. Geröstete Haselnüsse kann man auch fertig kaufen, besser schmecken in der Regel aber die selbst gerösteten. Natürlich kann das Pesto auch mit Mandeln, Sonnenblumen- oder Pinienkernen zubereitet werden, aber Haselnüsse verleihen ihm eine besonders nussige Note.

Radieschenblätter-Pesto

Zutaten für ca. 100g:

30 g     Radieschen-Blätter, frisch
20 g     Haselnusskerne, geröstet
50 ml   fruchtiges Olivenöl (alternativ z.B. Distelöl)
1/4 TL  Salz
2            frische Knoblauchzehen (nach Belieben)

Zubereitung:

Alle Zutaten zusammen in einem Pürierbecher  oder kleinen Küchenmixer zu einer Paste verarbeiten. Die Öl-Menge kann je nach Verwendung angepasst werden für eine flüssigere oder festere Konsistenz des Pestos. Für einen besonders frischen Geschmack ggf. noch 1 EL Zitronensaft dazugeben.

Das Radieschenblätter-Pesto ist genauso vielseitig verwendbar wie das klassische Genueser Pesto aus Basilikum auch. Auch viele Wildkräuter (z.B. Vogelmiere, Knoblauchrauke, Giersch) eignen sich sehr gut, um daraus Pesto zu machen, die Möglichkeiten der Kombination von Kräutern, Nüssen/Samen, Früchten und Öl sind quasi unbegrenzt und es lohnt sich, immer wieder mal neue Varianten auszuprobieren. Der Parmesan-Käse ist dabei oft entbehrlich, vor allem wenn die übrigen Zutaten aromareich sind.

Auch andere Wintergemüse bieten die Möglichkeit, die sonst ungenutzten Pflanzenteile in der Küche zu verarbeiten, wie zum Beispiel eine Suppe aus Blumenkohl-Blättern. Wichtig ist es bei diesen Gerichten, auf frische und möglichst ökologisch angebaute Ware zu achten.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden. Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!

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