„Honig“ aus Löwenzahnblüten

Sieht aus wie Honig, riecht wie Honig und schmeckt auch wie Honig – das verdankt der honigartige Sirup dem Duft und der Farbe von Löwenzahnblüten. Die beste Zeit für diese kulinarische Besonderheit ist im April, denn dann blüht der Löwenzahn an vielen Stellen im Überfluss und übersät nicht nur nährstoffreiche Wiesen in mit seinen leuchtend gelben Blüten.

Der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) kommt in den meisten Regionen Europas sehr häufig vor. Er liebt Brachflächen, Wiesen und Wegränder, sprießt aber auch munter aus kleinsten Ritzen zwischen Steinen und Beton. Im Frühjahr fällt er durch das leuchtende Gelb seiner zahlreichen Blüten besonders auf. Diese Blütenfülle ist vor allem für die Bienen eine der ersten wichtigen Nahrungsquellen im Jahr und ermöglicht die frühe Ernte des Löwenzahnhonigs. Aber auch viele andere Insekten leben von den verschwenderisch blühenden Korbblüten des Löwenzahn.

Die Herstellung eines Honig-Ersatzes aus Löwenzahnblüten, ohne das Zutun von Bienen, war, wie viele andere Ersatz-Produkte auch, ursprünglich eher aus der Not geboren. Inzwischen gilt das honig-ähnliche Produkt aus Löwenzahnblüten als feine Delikatesse, ist für Honig-Allergiker verträglich und  dabei auch noch vegan.

In Frankreich ist diese Leckerei als Cramaillotte bekannt, im deutschen Sprachraum gibt es dafür leider keinen eigenen Begriff, weshalb sie sich sprachlich nicht so recht vom echten Löwenzahnblüten-Honig unterscheiden lässt. Um den veganen Aspekt zu verdeutlichen, wird gelegentlich die Bezeichnung „Vonig“ (aus Vegan und Honig) verwendet.

Das Sammeln der Löwenzahn-Blüten lohnt sich, denn aus den duftenden Blüten lassen sich viele leckere Gerichte zubereiten. Als Sirup, Gelee oder „Honig“ kommt der blumige, honigartige Duft besonders gut zur Geltung und kann gut für das restliche Jahr konserviert werden.

Aber auch wenn der Löwenzahn bei uns weit verbreitet ist, sollte immer nur so viel davon geerntet werden, dass für die Insekten auch noch reichlich übrig bleibt. Beim Löwenzahn ist das im Frühjahr unkritischer als bei vielen anderen Pflanzen, denn wenn man aufgeblühte Blüten erntet, sind am nächsten Tag mindestens genauso viele neue da. Wenn man zum Beispiel vermeiden möchte, dass sich eine Löwenzahn-Pflanze sich im gesamten Garten ansiedelt, erntet man am besten mehrere Tage hintereinander gegen Abend die Blüten und verhindert so, dass sich der Löwenzahn über Nacht zur Pusteblume verwandelt und seine Samen, mit genialen Flugschirmen ausgestattet, in der gesamten Umgebung verbreitet. Gesammelt wird am besten an sonnigen Tagen, wenn die Blüten weit geöffnet sind.

Kleiner Tipp fürs Sammeln: der weiße Milchsaft des Löwenzahn, der aus den abgepflückten Stängeln quillt, ist zwar entgegen landläufiger Meinung nicht giftig, aber er kann sehr hartnäckige Flecken hinterlassen. Vor allem aus Kleidung lässt er sich praktisch gar nicht mehr entfernen, von den Händen geht er am besten mit Seife und Bimsstein weg. Deshalb am möglichst alte Kleidung und eventuell auch Handschuhe tragen.

Für die Herstellung des Ersatz-Honigs werden oft nur die gelben Zungenblüten des Löwenzahn genutzt, was aber sehr viel mehr Arbeit bedeutet. Wenn man sich die Mühe macht, die Zungenblüten aus den grünen Körbchen zu zupfen, erhält man einen etwas helleren, milderen Honig, braucht aber gut die doppelte Menge an Blüten. Verarbeitet man die ganzen Blütenköpfe, wird der „Honig“ etwas dunkler und würziger.

„Honig“ aus Löwenzahn-Blüten

Zutaten für ca. 1 Glas à 500g:

125 g aufgeblühte Löwenzahnblüten, ganz (oder nur gelbe Zungenblüten)
400 ml Wasser
2-3 EL Saft einer Bio-Zitrone oder -Orange
ca. 500g weißer Haushaltszucker

Zubereitung:

Löwenzahnblüten in einem Topf geben und mit dem Wasser bedeckt mehrere Stunden oder über Nacht zugedeckt stehen lassen. Anschließend Blüten und Wasser aufkochen und ca. 10 Minuten leicht kochen lassen. Dabei ggf. ein wenig Wasser nachfüllen. Den Topf mit den aufgekochten Blüten mit einem Deckel verschließen und nochmals mehrere Stunden oder über Nacht kühl stehen lassen.

Anschließen den Sud durch ein Haarsieb gießen und die Blüten dabei gut ausdrücken.

Die Blütenflüssigkeit in einem Messbecher abmessen. Die gleiche Menge an Zucker abwiegen und zusammen mit dem Sud und dem Zitronen- oder Orangensaft in einen möglichst weiten Topf geben.

Die Flüssigkeit unter Rühren aufkochen, dann den Herd auf die niedrigste Stufe einstellen und die Flüssigkeit langsam und unter gelegentlichem Rühren auf etwa die Hälfte reduzieren.

Die Flüssigkeit wird während des Einkochens klar und etwas dunkler. Von Zeit zu Zeit mit einem kleinen Löffel eine Probe abnehmen und abkühlen lassen, um zu kontrollieren, dass der Honig nicht zu dick wird. Der Honig wird beim Abkühlen noch fester, als er im heißen Zustand ist. Trotzdem lange genug reduzieren, damit der Wasser-Anteil möglichst gering ist, sonst ist der „Honig“ nicht haltbar.

Wenn die richtige Konsistenz erreicht ist, den „Honig“ in saubere, trockene Gläser füllen. Die Gläser mit offenem Deckel abkühlen lassen und erst dann verschließen und beschriften. Bei richtiger Konsistenz ist dieser Honig optisch kaum von einem flüssigen Bienenhonig zu unterscheiden.

Der Löwenzahnblüten-„Honig“ kann wie echter Honig als Brotaufstrich, aber auch zum Mischen mit Jogurt, Quark, Frischkäse, für Salatsaucen oder zum Backen verwendet werden. In einer Löwenzahnblüten-Panna Cotta kommt sein zarter, blumiger Geschmack ebenfalls gut zur Geltung.

Mehr kulinarische Löwenzahn-Highlights:

Salade Lyonnaise – ein Salat aus Löwenzahnblättern, wie er traditionell in Lyon gegessen wird.
Hungslatz -Eifeler Löwenzahn-Kartoffel-Gemüse
Löwenzahn-Radiccio-Salat mit Honig und Minze

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden. Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!

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