Vogelmiere-Essig

Wenn es nass und kalt ist draußen, dann fühlt sich die Vogelmiere besonders wohl. Bevor sich im Frühjahr die meisten anderen Kräuter und Blumen ans Licht wagen, breitet sie sich ungestört über noch leere Blumentöpfe, Beete und Äcker aus oder zwängt sich durch Ritzen in Mauern und Wegen. Die beste Gelegenheit also, die Vogelmiere auch für den Rest des Jahres haltbar zu machen.

Die Vogelmiere (Stellaria media) hat zwar sehr kleine Blätter und winzige Blüten, aber sie breitet sich umso schneller mit langen Trieben teppichartig aus. So produziert sie viel Blattmasse, viele Blüten und natürlich auch viele Samen. Sie ist, ähnlich wie das Behaarte Schaumkraut, damit sehr effizient in ihrer Vermehrung und hat sich von Europa aus fast über die ganze Welt verbreitet. Klein aber oho sozusagen.

Leider wird sie meist nur als lästiges Unkraut wahrgenommen, dabei verdient sie ein besseres Ansehen. Die Vogelmiere ist nämlich ein essbares Wildkraut mit sehr vielen wertvollen Inhaltsstoffen. Neben den Vitaminen A, B1, B2, B3 und C enthält es vor allem Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Zink sowie Saponine und Schleimstoffe. Sie ist deshalb ein ideales Frühjahrs-Kraut, aber auch in anderen Jahreszeiten ist sie ein wertvolles Lebensmittel. Im Sommer zieht sie sich bei Hitze und Trockenheit allerdings zurück und man muss bis in den Herbst warten, bis man wieder das saftige Grün der Vogelmiere frisch ernten kann.

Um Pflanzen über die Saison hinaus haltbar zu machen, gibt es viele Möglichkeiten: Trocknen ist in der Regel die einfachste und gebräuchlichste. Sie eignet sich aber nicht für alle Pflanzen. Da die Vogelmiere sehr viel Feuchtigkeit enthält, ist diese Methode weniger geeignet. Besser lässt sie sich verarbeitet konservieren, z.B. in einem Vogelmiere-Pesto. Um die Inhaltsstoffe der Pflanze zu nutzen, kann man sie aber auch sehr gut für eine Weile in Essig legen. Im Gegensatz zu Öl, das sich z.B. gut für die Extraktion von fettlöslichen Bestandteilen und ätherischen Ölen eignet, ist Essig perfekt, um Mineralstoffe zu lösen. Diese gehen dann in den Essig über.

In diesem Falle werden also nicht die Pflanzenteile selbst, sondern nur ihre wichtigen Inhaltsstoffe konserviert. Verwendet man für den Auszug einen hochwertigen Essig, z.B. naturtrüben Apfelessig, wird der Vogelmiere-Essig noch wertvoller. Apfelessig wird traditionell aus Apfelmost hergestellt. Durch die Arbeit der Essigsäure-Bakterien entstehen bei der Fermentation des Mosts zu Essig weitere Vitaminen, während die Inhaltsstoffe des Apfelmosts teilweise erhalten bleiben. Auf diese Weise lässt sich also mit der Vogelmiere ein Essig herstellen, der die eher vitamin- und mineralstoffarmen Kultursalate wie Kopf- und Eisbergsalat, Romana und Co. nicht nur geschmacklich aufpeppt.

Die Herstellung des Vogelmiere Essig ist denkbar einfach: es braucht nur guten Essig, ein großes Glas, Vogelmiere und etwas Geduld.

Vogelmiere-Essig

Zutaten für 1/2 l Essig:

500 ml  Apfelessig, klar oder naturtrüb (ggf. auch etwas mehr)
ca. 2 Hände voll Vogelmiere-Kraut, frisch

Zubereitung:

Das Vogelmiere-Kraut verlesen, waschen und klein hacken. In ein verschließbares Glas (unbedingt mit einem säurebeständigen Deckel, z.B. ein 1-Liter Drahtbügel-Glas) geben (es sollte ca. zu 3/4 das Glas füllen) und mit dem Apfelessig übergießen. Das Kraut muss vom Essig bedeckt sein.

Den Vogelmiere-Essig-Ansatz ca. 4 Wochen bei Zimmertemperatur an einem dunklen Ort stehen lassen, zwischendurch immer wieder mit einem sauberen Esslöffel umrühren – die Pflanzenteile sollten immer unterhalb der Essig-Oberfläche sein oder zumindest nicht längere Zeit aus ihr herausragen. Während dieser Zeit verlieren die Vogelmiere-Pflanzenteile nach und nach ihre Farbe, der Essig wird dafür etwas grünlich.

Anschließend den Essig-Ansatz durch einen Kaffeefilter abfiltern und in einer Glasflasche (am besten einer leeren Essigflasche, denn die hat einen säurebeständigen Verschluss) aufbewahren.

Der fertige Essig kann monatelang aufbewahrt werden. Wenn natürlicher Bio-Apfelessig verwendet wurde, kann es sein, dass sich nach einer Weile in der Flasche eine Essigmutter entwickelt, dabei entstehen erst Schlieren, dann eine gallertartige Schicht. Das ist kein Zeichen, dass der Essig schlecht geworden ist, sondern im Gegenteil, dass noch Essigsäure-Bakterien aktiv sind.

Vogelmiere-Essig ist mit seinem frischen Geschmack ideal, um ihn statt üblicher Haushalts-Essige zur Zubereitung von Salat-Dressings zu verwenden. Ein paar Spritzer des Vogelmiere-Essigs runden auch Linsengerichte oder gebratenes Gemüse perfekt ab.

Solange die Vogelmiere in größeren Mengen frisch zu ernten ist, lassen sich daraus aber auch noch andere leckere Gerichte herstellen, z.B. Vogelmiere-Crêpes, Wareniki mit Vogelmiere-Füllung.

Mehr Fotos zur Bestimmung der Vogelmiere sind im Beitrag zu den Vogelmiere-Crêpes zu finden.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.