Fichtenspitzen-Zucker und -Sirup

„Maiwipfel“ werden die jungen Triebe der Fichten und anderer Nadelbäume nicht ohne Grund genannt. Die noch zarten Triebspitzen haben ein interessantes Wald-Aroma, das sich gut in Zucker konservieren lässt. Doch nicht nur das Aroma, sondern auch wertvolle Inhaltsstoffe können damit extrahiert werden.

Die jungen Fichtenwipfel sind hellgrün und noch sehr weich, manchmal befindet sich an der Spitze auch noch der Rest der Hülle, die die Knospe umgeben hat.

Die ätherischen Öle, die charakteristisch sind für die Fichten und andere Nadelbäume, sind in den jungen Trieben bereits enthalten, während die Nadeln jedoch noch nicht voll ausgebildet sind.

Der Geschmack lässt sich sowohl süß, wie in den nachfolgenden Rezepten oder als Schokoladen-Konfekt, als auch salzig (Maiwipfel-Pesto, Tannennadel-Salz, Champignonsalat mit Maiwipfeln) kombinieren.

Wichtig: Beim Sammeln von Fichtenwipfeln ist in zweierlei Hinsicht Vorsicht geboten: einerseits muss eine Verwechslung mit der giftigen Eibe unbedingt ausgeschlossen werden können (siehe auch die Hinweise unten), und andererseits darf der Baum durch das Entfernen von Triebspitzen nicht in seinem Wachstum gestört oder beschädigt werden. Ideal sind deshalb Nadelbäume im eigenen Garten, die ohnehin in Form geschnitten werden (wie zum Beispiel die kleinwüchsige Zuckerhut-Fichten, die seit ein paar Jahren in meinem Kräuterbeet die Buchsbaumkugeln ersetzen, die dem Buchsbaumzünsler zum Opfer gefallen sind).

Für den Fichtenspitzen-Zucker werden die Maiwipfel entweder mit einem scharfen Messer ganz fein gehackt und mit etwa der gleichen Menge feinen Zucker vermischt, oder man gibt beides zusammen in einen Blitzhacker. Der Zucker kann sofort verwendet werden und eignet sich in kleinen Mengen zum Aromatisieren von Desserts, Sahne, Cremes oder auch herzhaften Gerichten.

Die traditionelle Art, Fichtenspitzen-Sirup herzustellen, erfolgt ohne Kochen. Das hat den Vorteil, dass auch wertvolle hitzeempfindliche Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Dieser schonende Prozess dauert allerdings mehrere Wochen. In dieser Zeit löst der Zucker die Inhaltsstoffe aus den Pflanzenteilen und löst sich dabei dann nach und nach auf, so dass eine flüssige Zuckerlösung entsteht. Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Spitzwegerich-Erdkammersirup.

Dafür werden die Maiwipfel abwechselnd mit dem Zucker (am besten Bio-Rohrohrzucker) in ein gut verschließbares Glas, z.B. ein in der Größe passendes Drahtbügelglas, geschichtet, so dass alle Wipfel gut bedeckt sind. Anschließend wird das Glas fest verschlossen kühl und dunkel gelagert (z.B. im Keller). Der Fichtenspitzen-Sirup ist fertig, wenn sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Dann kann er abgefiltert und in eine Flasche umgefüllt werden. Er sollte weiterhin dunkel und kühl gelagert werden.

Den Fichtenspitzen-Sirup kann man entweder ebenfalls zum Aromatisieren von süßen Gerichten verwenden. In der Hausapotheke wurde er früher, ähnlich wie der Spitzwegerich-Sirup, bei Erkältungen der Luftwege verwendet. Er wirkt vor allem wegen der vielen ätherischen Ölen schleimlösend und auswurffördernd.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können!

Auch für die äußerliche Anwendung von Wildpflanzen ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.

Außerdem unbedingt die Vorschriften zum Naturschutz beachten und nur nachhaltig sammeln! Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!


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Avatar von Unbekannt

Autor: Maison Rieck Manufaktur

Kräuterpädagogin, Fermentista, leidenschaftliche Köchin, Naturmaterial-Künstlerin, Fränkin