Zierquitten-Gelee

Man kennt sie aus Vorgärten und Parks als robuste, pflegeleichte Zierpflanze. Dass die Zier- oder Scheinquitten auch essbar sind, ist dagegen weniger bekannt. Dabei haben sie ein intensives Aroma, das dem der echten Quitten nicht nachsteht.

Während der Quittenbaum (Cydonia oblonga) ursprünglich aus dem Kaukasus stammt und in Europa bereits seit der römischen Antike zuhause ist, kamen die ersten Zierquitten (Chaenomeles) erst im 18. Jahrhundert aus Japan und China nach Europa. Duft, Geschmack und Aussehen lassen erkennen, dass sie dennoch eng verwandt sind.

Im Gegensatz zu den Quittenbäumen wachsen Zierquitten als meist niedrige Sträucher, die sehr pflegeleicht sind. Beliebt sind sie vor allem wegen ihrer oft sehr beeindruckenden Blüten im Frühjahr und den kleinen, leuchtend gelben Früchten im Herbst. Wobei es bei der Form und Größe der Früchte je nach Sorte große Unterschiede gibt. So groß wie die „echten“ Quitten werden die Zierquitten zwar nicht, aber  sie können trotzdem eine reiche Ernte bescheren. Sie sind nicht also nicht nur ein Augen-, sondern auch ein Gaumenschmaus.

Da die Zierquitten, die auch „Scheinquitten“ oder nach ihrer botanischen Bezeichnung Chaenomeles genannt werden, in der Regel als Ziergehölze gepflanzt werden, wird häufig angenommen, dass sie nicht genießbar seien. Das stimmt bedingt, da sie roh meist viel zu hart und zu sauer sind, als dass man sie als Genuss bezeichnen würde. Das trifft aber auf die echten Quitten ebenfalls zu. Gekocht oder entsaftet entwickeln sie dafür ein umso intensiveres, fruchtiges Aroma. Wenn man selbst Zierquitten im Garten hat oder welche geschenkt bekommen kann, lohnt es sich also auf jeden Fall, daraus ein Quittengelee mit einem besonderen geschmacklichen Twist herzustellen. Da die Chaenomeles sehr anspruchslos sind, breiten sie sich gelegentlich auch wild aus.

Zum Entsaften bietet sich, wenn vorhanden, ein Dampfentsafter an. Es geht aber auch ganz einfach nach altbewährter Methode, indem man die Quitten weichkocht und den Saft dann durch ein Tuch ablaufen lässt.

Im Gegensatz du den großen Geschwistern haben die Zierquitten keinen „Pelz“, man muss sie also nicht abreiben, sondern kann sie in Wasser waschen. Dann werden sie mit der Schale und dem Kerngehäuse grob zerkleinert. Die Kerne können drinbleiben.

Die Chaenomeles-Stücke werden in einen ausreichend großen Topf gegeben und ganz knapp mit Wasser bedeckt. Dann dürfen sie mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze so lange kochen, bis sie zerfallen. Anschließend lässt man das Ganze am besten ein wenig abkühlen.

Damit der Saft möglichst gut ablaufen kann, sollte er am besten durch ein hängendes Tuch gefiltert werden. Dafür einen Stuhl oder Hocker umdrehen und ein Passiertuch (oder eine gebügelte Mullwindel) an allen vier Ecken verknoten. Die Ecken über die Stuhlbeine hängen und mit einem Gummiband fixieren. Dann eine Schüssel unter das Tuch stellen und das Zierquitten-Mus mit einer Schöpfkelle nach und nach in das Tuch geben. Zwischendurch kann man vorsichtig mit einem Teigschaber im Ruch umrühren, damit der Saft besser herauslaufen kann. Das Abtropfen kann eine Weile dauern, man kann diese Vorrichtung mehrere Stunden oder auch über Nacht sehen lassen.

Der in der Schüssel aufgefangene Saft wird dann zur weiteren Verarbeitung abgemessen und mit der entsprechenden Menge Gelierzucker aufgekocht und heiß in Gläser abgefüllt. Da Chaenomeles, wie auch die echten Quitten, viel Pektin enthalten, wird das Gelee relativ fest. Ob man zu Einkochen 1:1 Gelierzucker oder 2:1 Gelierzucker nimmt oder Zucker und (wenig) Pektin selbst zusetzt, bleibt der eigenen Vorliebe überlassen.

Das Zierquitten-Gelee ist ein erfrischender Brotaufstrich, es kann aber auch Dessert oder Gebäck eine besondere Note geben. Zum Beispiel die Linzer Schnitten schmecken auch mit Zierquitten-Gelee sehr gut. Aus dem zurückbleibenden Fruchtfleisch kann man außerdem noch eine Zierquitten-Paste herstellen. Allerdings muss man es dafür durch ein Haarsieb oder eine flotte Lotte passieren, um die Kerne und Kerngehäuse zu entfernen. Das Quittenmus kann dann wie im Beitrag Quitten-Paste weiter verarbeitet werden.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden. Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!

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