„Himmel un Ääd“ mal anders: erdige Pastinaken mit sonnig-fruchtigen Quitten verbinden sich zu einer Suppe, die den Geschmack von Herbst in sich trägt. Abgerundet wird sie durch die getrockneten Blüten des Dost.


Schon seit der Antike ein beliebtes Nahrungsmittel, ist die Pastinake (Pastinaca sativa) im 19. Jahrhundert in Europa durch Möhren und Kartoffeln weitgehend verdrängt worden und in Vergessenheit geraten.
Zum Glück hat sich das inzwischen wieder geändert und in Deutschland wurde sie in 2011/2012 sogar zum Gemüse des Jahres gewählt. Die heimische Wurzel, die wie die Möhre auch aus der Familie der Doldenblütler stammt, ist von Natur aus weniger anfällig gegen Schädlinge und lässt sich deshalb einfach als Kultur anbauen. Im Gegensatz zur wilden Pastinake hat sie eine fleische, ertragreiche Rübe, die über ein 1kg schwer werden kann. Sie hat einen süßlichen-würzigen Geruch und Geschmack, was auf einen hohen Gehalt an Stärke (insbesondere Inulin) und ätherischen Ölen zurückzuführen ist.
Aus Sicht einer ausgewogenen Ernährung ist die Pastinake insbesondere aufgrund ihres hohen Fasergehalts, Protein- und Vitamingehalts interessant, da dieser deutlich über dem Gehalt von Möhren und anderen Wurzelgemüsen liegt. Sowohl Fasern als auch Inulin sind für den menschlichen Organismus nicht verdaulich, liefern aber dafür als Präbiotika umso mehr „Futter“ für die Mikroorganismen in Darm und unterstützen damit die mikrobielle Vielfalt.


Die Quitte (Cydonia vulgaris) ist ebenfalls eine seit langer Zeit in Europa beheimatete Frucht, die leider nur noch selten in größerem Maßstab angebaut werden. Meist finden sich einzelne Quittenbäume in Gärten, selten im gewerbsmäßigen Anbau. Dabei ist auch die Quitte eine sehr wertvolle Frucht, die es darüber hinaus auch in sehr vielen verschiedenen Variationen gibt, die sich in Geruch und Geschmack deutlich unterscheiden können. Besonders bemerkenswert ist in der Regel ihr Duft, der ganze Räume mit seiner fruchtigen Frische erhellen kann. Aber sie enthält auch viele Vitamine und Mineralien, die sie zu einer Konkurrenz zu Äpfeln machen.
Pastinaken statt Kartoffeln, Quitten statt Äpfeln – eine überzeugende Liaison.
Pastinaken-Quitten-Suppe mit Dost
Zutaten für 2-4 Portionen
500g Pastinaken
250g Quitten
2 EL Rapsöl (oder Butter)
500ml Gemüsebrühe
ggf. Salz
schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
2 Stängel Dost (oder Oregano oder Pastinakengrün)
Zubereitung
Die Pastinaken mit dem Sparschäler dünn schälen und in Würfel schneiden. Die Quitten mit einem Tuch abreiben, um den Flaum zu entfernen, und dann vierteln, das Kerngehäuse entfernen und in grobe Stücke schneiden.
Das Öl oder die Butter in einem Topf erhitzen, zuerst die Pastinaken-Würfel dazugeben und diese bei mittlerer Hitze anschwitzen und leicht karamellisieren. Dann die Quittenstücke dazugeben und kurz mitdünsten.


Dann die Pastinaken und Quitten mit heißer Gemüsebrühe (oder heißem Wasser und 1-2 EL gekörnter Brühe) ablöschen und ca. 10 Minuten leicht kochen lassen, bis die Pastinaken weich sind.
Den Topf vom Herd nehmen und mit einem Pürierstab zu einer cremigen Suppe pürieren. Entsprechend der gewünschten Konsistenz noch mehr Brühe/Wasser dazugeben und die Suppe mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken.


Dies ist eine sehr simple Variante der Suppe; wer sie noch verfeinern möchte, kann z.B. süße oder saure Sahne dazugeben, entweder vor dem Pürieren oder als Klecks auf die fertige Suppe.


Wer eher eine rheinische „Himmel un Ääd“-Variante mag, gibt weniger Brühe dazu und stampft die Pastinaken mit den Quitten zu einem groben Brei, der am Schluss ggf. noch mit Butter und Salz abgeschmeckt wird.
Wegen des würzig-herben Geschmacks passt Dost sehr gut zur Suppe; dafür die Blätter von den Stängeln zupfen und sie unter die Suppe mischen und ein paar Blättchen obendrauf streuen.
Wer sich mit Wildpflanzen gut auskennt oder Pastinaken im eigenen Garten anbaut, kann auch das junge Pastinakengrün verwenden. Aber Achtung bei den wilden Pastinaken: das sie zur Familie der Doldenblütler gehören, gibt es viele ähnliche Pflanzen, von denen manche giftig sind. Deshalb im Zweifelsfall auf jeden Fall den Dost, Oregano oder Petersilie verwenden, auch wenn das Pastinakengrün – das bei den gekauften Pastinaken-Rüben in der Regel nicht mehr dabei ist – aufgrund seines würzigen, petersilienartigen Geschmacks mit der Suppe ebenfalls sehr gut harmonieren würde.
Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können!
Auch für die äußerliche Anwendung von Wildpflanzen ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.
Außerdem unbedingt die Vorschriften zum Naturschutz beachten und nur nachhaltig sammeln! Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!
Entdecke mehr von Maison Rieck Manufaktur
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.