Klingt ungewöhnlich, ist aber eine feine Delikatesse, die sich im Frühjahr aus den im Überfluss vorhandenen Löwenzahnknospen und nur wenigen weiteren Zutaten leicht herstellen lässt.


Frei nach der Devise: „Essen statt ärgern“ kann man sich über den Löwenzahn freuen, wenn er im April jeden Tag mit großer Vitalität neue Knospen, Blüten und Pusteblumen produziert. Dank seiner ausgeklügelten Verbreitungsstrategien kommt der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale) fast weltweit vor und man braucht keine Sorge zu haben, dass man ihn versehentlich ausrottet, wenn man ihn als Wildgemüse erntet und seinen Speiseplan damit bereichert – auch, wenn sich das manche Gartenbesitzer wünschen würden 😉
Der Löwenzahn treibt im Frühjahr einerseits aus der Pfahlwurzel, die sich im Boden fest verankert und entsprechend schwer zu entfernen ist, neue Blätter und bald darauf auch täglich neue Knospen aus. Aus den Knospen entwickeln sich binnen weniger Tage wunderschöne, leuchtende Blüten, die eine sehr wichtige Nahrungsquelle für Bienen und viele andere Insekten sind. Wurden die Blüten bestäubt, schließen sie sich und über Nacht entwickeln sich die genialen Pusteblumen. Jedes dieser kleinen Wunder (das mancherorts dabei helfen soll, Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen) besteht aus vielen Samen, die an Flugschirmen vom Wind in die Weite getragen werden.


Für das Löwenzahn-Chutney sind die Knospen interessant, die gerade beginnen, sich zu öffnen. Dadurch sind sie noch relativ kompakt und haben in etwa die Große von Rosinen, aber man kann die gelben Zungenblätter bereits erkennen.


Auf dem linken Bild ist links die Knospe zu erkennen, die sich gerade öffnet. Die rechte Blüte ist dagegen bereits verblüht und eignet sich nicht. Man kann sie daran unterscheiden, dass die noch nicht aufgeblühte Knospe kugelig ist, während die Blüte eher spitz zuläuft.
Wenn man die Löwenzahnknospen gesammelt hat, sollte man sie schnell verarbeiten und in einem verschlossenen Gefäß im Kühlschrank aufbewahren, da die Knospen auch im gepflückten Zustand noch aufgehen. Sie dürfen auch ein wenig aufgehen, aber wenn sie vollständig aufgehen, sollten sie aussortiert und für andere Rezepte verwendet werden, z.B.
Löwenzahnblüten-„Honig“
Löwenzahnblüten-Panna cotta
Löwenzahnblüten-Haferflocken-Cookies
Löwenzahnblüten-Küchle
Löwenzahnblüten-Würzessig
Löwenzahnknospen-Chutney
Zutaten für 3 kleine Gläser (ca. 450g):
100g Löwenzahnknospen, leicht geöffnet
2 EL Rapsöl
50g Schalotten (alternativ Zwiebeln)
100 ml Wasser (ggf. mehr)
50 ml Apfelessig (alternativ heller Balsamico)
50g Rosinen
25g Ingwer, frisch
50g Zucker, braun (alternativ weiß)
50 ml Orangensaft, frisch gepresst
5 Streifen Bio-Orangenschale
¼ TL Salz


Zubereitung:
Löwenzahnknospen waschen und trockenschütteln.
Die Schalotte oder Zwiebeln schälen und sehr fein würfeln. Den Ingwer schälen und ebenfalls sehr fein würfeln oder reiben.
In einem kleinen Topf das Rapsöl erhitzen und die Schalotte darin andünsten. Die Löwenzahnknospen dazu geben und kurz mitdünsten. Sie sollen nur garen, nicht bräunen.
Dann die Rosinen und den Ingwer sowie das Wasser dazu geben. Alles zusammen bei geringer Hitze dünsten, bis die Rosinen das Wasser etwa zur Hälfte aufgesogen haben.
Den Essig und den Zucker dazu geben und erneut dünsten, bis ein Teil der Flüssigkeit verkocht ist.
Zuletzt den Orangensaft und die Orangenschale in den Topf geben und kurz aufkochen lassen. Dann den Topf vom Herd nehmen und mit einem Deckel abgedeckt erkalten lassen.
Das Löwenzahnknospen-Chutney kalt mit etwas Salz und ggf. Zucker abschmecken. Dann nochmals kurz erhitzen, bis die verbleibende Flüssigkeit leicht einzudicken beginnt.
Das Chutney noch heiß in Twist-off-Gläser füllen und auf den Kopf stellen. Nach dem Abkühlen entweder direkt genießen oder aufbewahren.


Das Löwenzahnknospen-Chutney passt zu Reis und Currys, aber natürlich auch zu fast jeder Art von Käse oder Schinken und Roast Beef. Es schmeckt aber auch einfach auf einem guten Brot sehr pikant.
Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können!
Auch für die äußerliche Anwendung von Wildpflanzen ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.
Außerdem unbedingt die Vorschriften zum Naturschutz beachten und nur nachhaltig sammeln! Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!
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