Deko- und Nistkugel

Die meisten Gärten bieten ungeahnte Ressourcen für kleinen Projekte aus Pflanzenmaterial, vor allem, wenn gegen Ende des Winters Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen zurück geschnitten werden. Das beste dabei ist, dass diese Objekte nicht nur schön aussehen, sondern auch gerne von Vögeln als Grundlage für Nistplätze genutzt werden.

Dekorative Kugeln aus Pflanzenmaterial lassen sich leicht herstellen, da sie keine komplizierte Flechttechnik benötigen. Sie werden quasi mit einem „chaotischen“ System geflochten. Auf Englisch wird diese Technik „Randomweave“ oder „Birdweaving“ genannt. Die erste Bezeichnung beschreibt die Flechtweise, bei der das Material eher zufällig über- und untereinander geflochten wird, der zweite Name bezieht sich vor allem darauf, dass Vogelnester meist in dieser Art gebaut werden.  Es ist faszinierend, wie gut die Vögel diese Technik beherrschen und stabile Nester oft in luftigen Höhen bauen! Der schwierigste Teil dabei ist, eine stabile Grundlage für das Flechtwerkt zu schaffen. Deshalb werden „Birdweaving“-Kugeln von manchen heimischen Vögeln gerne als Rohbau genutzt und dann weiter ausgebaut.

Egal ob als Nisthilfe oder als Dekorationsobjekt, die Pflanzenmaterialien sollten nicht gespritzt oder anderweitig chemisch behandelt sein. Geeignete Pflanzenmaterialien gibt es viele: dünne Ranken von echtem und wildem Wein, dünne langen Ruten von Haselnuss, Maulbeere und Obstbäumen (Quitte, Pfirsich) sowie Ranken von Clematis, Efeu, Hopfen, Geißblatt und Brombeere (entdornt) eigenen sich hervorragend für Kugeln in verschiedenen Größen. Roter oder gelber Hartriegel verleiht Flechtwerken farblich interessante Akzente, zartes Birkenreisig eine spannende Struktur.

Je nach Art des Projektes, braucht man eher stabile, lange Äste oder flexible, dünne Zweige, die möglichst lang sind. Am besten ist es, wenn man das vorhandene Pflanzenmaterial nach Stärke sortiert. Die meisten Äste von Bäumen und Sträuchern lassen sich übrigens am besten verarbeiten, wenn sie schon 1-2 Wochen abgeschnitten sind und im Freien ein wenig trocknen konnten. Dünneres Pflanzenmaterial muss zum Verarbeiten so biegsam sein, dass es sich ums Handgelenk schlingen lässt. Grundsätzlich gilt: je kleiner die Kugel, desto dünner und flexibler muss das Material sein.

Deko- und Nistkugel aus Pflanzenmaterial

Material:

Dünne Wein-, Efeu- oder Clematis-Ranken oder dünne, lange Haselzweige
Gartenschere
ggf. dünner Draht oder Bindfaden

Anleitung:

Aus dem gewählten Pflanzenmaterial 3 Reifen flechten, die jeweils den Durchmesser der fertigen Kugel (eher etwas kleiner) haben sollten. Dabei sollte die Ranke je Reifen mindestens doppelt so lang sein wie sein Umfang.

Die drei Reifen so ineinander setzen, dass sie jeweils im 90°-Winkel zueinander stehen. Die Stellen, an denen sich die Reifen kreuzen, können entweder mit Draht oder Schnur befestigt werden, oder sie werden bereits ineinander verwoben. Diese Konstruktion sollte auf jeden Fall stabil sein, denn sie bildet die Grundform der Kugel.

Dann wird die nächste Ranke ausgewählt und in das vorhandene Gerüst eingeflochten, indem es dieses möglichst oft unterhalb und oberhalb kreuzt. Das heißt, dass das Flechtmaterial abwechselnd nach innen in die Kugel geschoben und dann wieder nach außen gezogen wird. Das ist am Anfang noch relativ einfach, da die Zwischenräume groß sind. Wenn das Geflecht dichter wird, wird es etwas schwieriger. Um ein stabiles Gebilde zu erhalten, sollte das Flechtmaterial nicht weiter als um ein Viertel der Kugel geführt werden, ohne ein bereits vorhandenes zu unterkreuzen.

Während des Flechtens immer wieder die Form der Kugel kontrollieren und ggf. ein wenig zurecht biegen. Überstehende Enden können später noch eingeflochten oder nach innen gesteckt und dann abgeschnitten werden.

Wenn die Kugel als Nisthilfe angeboten werden soll, wird sie mit einer stabilen Schnur an eine geschützte Selle gehängt. Als Deko-Objekt lässt sie sich vielseitig platzieren und auch mit Licht ergänzen.

Hinweis: Bitte beim Scheiden von Hecken, Sträuchern und Gehölzen das Bundesnaturschutzgesetz beachten. Danach ist ein starker Rückschnitt, insbesondere aufgrund des Vogelschutzes, nur im Zeitraum von 1. Oktober bis 28. Februar zulässig. In der übrigen Zeit sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte möglich.

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können! Auch für die äußerliche Anwendung ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden. Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!

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