Gefilztes Schaf-Fell

Anders als bei echten Fellen wird ein gefilztes Fell nur aus dem Woll-Vlies des Schafes gemacht. Dafür wird das Schaf sorgfältig geschoren und der dabei abfallende „Mantel“ aus Wolle wird auf der Rückseite verfilzt. Dadurch werden die Wollhaare festgehalten und das Fell ist ähnlich stabil wie ein gegerbtes. Das Schaf springt derweil weiter munter über die Weide.

In der Regel werden Schaf-Felle gegerbt. Das heißt, dass die Haut des Schafs nach dem Schlachten chemisch behandelt und dadurch haltbar gemacht wird.

Die meisten Schafe in Deutschland werden nicht wegen ihrer Wolle, sondern wegen ihres Fleisches gehalten. Aber auch diese Schafe müssen meist im Frühjahr geschoren werden. Die Wolle der Fleischrassen ist allerdings  häufig nicht fein oder edel genug, um in der Woll- und Textilindustrie weiter verarbeitet zu werden. Dafür werden andere Schafrassen wie z.B. Merino bevorzugt. Die Wolle der Fleischschafe wird ggf. als ökologisches Isoliermaterial aufbereitet, oft landet sie aber auch auf dem Müll, weil es keinen Markt dafür gibt.

MlAus der Wolle dieser Rassen – und natürlich auch aus der von edleren – lassen sich aber wunderbare Felle filzen. Man benötigt dafür ein ganzes Vlies, also den vollständigen Fell“mantel“, der noch nicht auseinandergerupft wurde. Diese bekommt man z.B. bei einem Schäfer oder Schafhalter für wenig Geld. Man kann sie aber auch im Internet finden, z.B. über ebay („Rohwolle Vlies“) oder den Onlineshop purewol.de aus den Niederlanden, wo das Fellfilzen weiter verbreitet ist als in Deutschland. Dort gibt es auch Informationen darüber, welche Schafrassen sich besonders gut zum Filzen und Fellfilzen eignen.

Ein solches ganzes Woll-Vlies wiegt ca. 3 kg und ist absolut naturbelassen, das heißt es enthält noch Wollfett und oft auch noch Gräser, Stroh etc. Die groben Verschmutzungen werden vor der Bearbeitung vorsichtig entfernt, aber das Vlies wird nicht gewaschen. Das Waschen würde die Wollhaare (Fasern) durcheinaner bringen und sie würden sich nicht mehr zu einem Fell zusammenfilzen lassen. Das fertig gefilzte Fell wird nachher gründlich gewaschen, aber auch schon während der Bearbeitung wird es durch den Einsatz von Seife und viel Wasser vorgereinigt.

Zum Fellfilzen braucht es nicht viel mehr als Seife und heißes Wasser. Die Arbeit im Freien bietet sich auf jeden Fall an, denn es wird viel Wasser benötigt.

Das hier verwendete Vlies ist von einem Skudden-Schaf. Das ist eine sehr alte, europäische Schafrasse, die relativ klein ist. Wahrscheinlich wurden Skudden schon von den Wikingern als Haustiere gehalten, seit dem Mittelalter waren sie vor allem in Nord- und Osteuropa weit verbreitet. Nach dem zweiten Weltkrieg galt die Rasse fast als ausgestorben, konnte aber mit wenigen Tieren nachgezüchtet werden. Skudden werden heute vor allem zur Landschaftspflege eingesetzt, sie sind robust und anspruchslos, fressen sogar Brennnesseln und Disteln. Weder ihre Wolle noch ihr Fleisch lassen sich gewinnbringend vermarkten, da sie den wirtschaftlichen Normen und den Erwartungen der meisten Verbraucher nicht entsprechen.

Fellfilzen

Material

Schafwollvlies am Stück, ungewaschen
Seifenstück, am besten Olivenseife
grobe Küchenreibe
Wasserkocher
Schüssel
Wassersprenger oder Gummi-Brause

Gartentisch, ggf. mit Plasikfolie abgedeckt
viel Wasser

Anleitung

Das Schafwoll-Vlies wird mit der geschorenen Seite nach oben auf einem Tisch ausgebreitet. Es sollte dabei so dicht wie möglich zusammengeschoben sein. Grobe Verschmutzungen und lose Fellteile werden entfernt (können kompostiert werden).

Dann werden mit Hilfe der Reibe Flocken von dem Seifenstück abgeraspelt und gleichmäßig auf dem Vlies verteilt.

Im Wasserkocher das Wasser zum Kochen bringen und in einer Schüssel mit so viel kaltem Wasser mischen, dass sich die Temperatur mit den Händen gerade aushalten lässt. Den Wassersprenger damit füllen und das heiße Wasser, an einer Ecke beginnend auf dem Vließ verteilen. Bevor das Wasser abkühlt, mit flachen Händen mit sanft reibenden, kreisenden Bewegungen die Seifenflocken auf der Oberfläche des Vlieses aufschäumen und die Stelle so lange bearbeiten, bis sich die Wollhaare vefilzt haben. Dann mit dem nächsten Bereich ebenso verfahren und nach und nach das gesamte Vlies auf diese Weise von der Rückseite filzen, dabei immer reichlich heißes Wasser verwenden und bei Bedarf noch mehr Seifenflocken dazu geben. Zwischendurch kontrollieren, dass die Locken auf der Unterseite unverfilzt bleiben.

Wenn alles nach und nach gefilzt wurden, das gesamte Vlies nochmal am Stück bearbeiten, dabei etwas kräftiger reiben und drücken. Dann das gefilzte Vlies umdrehen und von der anderen Seite kontrollieren, ob es noch Löcher oder am Rand lose Bereiche gibt. Diese bei Bedarf gezielt nachbearbeiten. Die Rückseite sollte ein dichter, fest geschlossener Filz sein.

Durch das viele heiße Wasser und die Seife wird der Schmutz und das Wollfett im Vlies bereits zum Teil gelöst und kann anschließend mit reichlich klarem Wasser, am besten aus dem Gartenschlauch, ausgespült werden. Danach wird das gefilzte Fell ausgedrückt und zum Trocknen ausgebreitet.

Das fertig gefilzte Fell kann aber anschließend auch in der Waschmaschine gewaschen werden. Dafür wird es in ein großes Wäschenetz (oder Moskitonetz) gesteckt und mit Wollwaschmittel (!) im Wollwaschgang (!) bei maximal 30°C gewaschen. Normales Waschmittel oder der falsche Waschgang würden die vorherige Arbeit zunichte machen und schlimmstenfalls in einem  großen Filzklumpen enden.

Während das Fell trocknet, die Locken mit den Fingern lockern. Wenn es vollständig getrocknet ist (nicht im Wäschetrockner!) kann es mit einer Bürste gebürstet werden, so dass das „Fell“ glänzt und flauschig ist. Es kann wie ein echtes Fell verwendet werden.