Den Frühling weben

Im zeitigen Frühling erscheint die Natur auf den ersten Blick noch trist und die Brauntöne überwiegen. Schaut man allerdings genauer hin, entdeckt man doch viele verschiedene Grüntöne, die durch die dunkle Erde brechen. Und kaum breitet sich das Grün auf dem Boden aus, erscheinen auch die ersten zarten Blüten an Sträuchern und Bäumen.

Diese Frühlingsimpression lässt sich leicht auf einem einfachen Webrahmen weben. Als Kettfäden wird einfaches Baumwollgarn verwendet. Für die Schussfäden werden aus verschiedenen Naturtönen unterschiedlicher Schafrassen und aus gefärbten Grüntönen dicke Garne gesponnen. Aber auch Reste aus dem Wollbestand können für ein Webbild kombiniert werden.

Nicht alle Schafrassen haben weißes Fell; es gibt auch Rassen mit hellbraunen, graune, dunkelbraunen oder ockerfarbenen Haaren. Manche Schafe sind sogar gefleckt, das heißt sie haben unterschiedliche Farben in ihrem Fell. Das ergibt ein besonders schönen melierten Effekt beim Spinnen. Die hier verwendeten Grüntöne sind synthetisch gefärbt, aber auch mit Färbepflanzen lassen sich spannende Schattierungen im grün-gelben Farbbereich erzielen.

Bespannt wird der Webrahmen mit naturfarbenem Baumwollgarn, das sich optisch gut mit den Braun- und Grüntönen verbindet. An Stellen mit dickerem Garn sind die Kettfäden sichtbar, die dünneren Fäden werden dagegen mit dem Webkamm ziemlich dicht aneinander geschoben, so dass sie flächig erscheinen.

Im unteren Drittel werden als Schussfäden abwechselnd die Brauntöne verwebt. Zwischendurch werden sporadisch einzelne grüne oder weiße Schussfäden verwendet. Diese Schussfäden sind aus gesponnenem Garn, teilweise aber auch aus einem Strang ungesponnener, gekämmter Wolle. Diese treten dann deutlich plastischer hervor.

Im mittleren Bereich gehen Braun- und Grüntöne zunehmend ineinander über, bis die grünen Töne überwiegen. Im oben Drittel werden dann einzeln kleine Stränge aus ungesponnenen Fasern eingearbeitet, die nur über 4-5 Kettfäden liegen. Sie sind ebenfalls plastisch abgehoben und erinnern an kleine Blätter und Blüten.

Im oberen Drittel ziehen sich auch wieder helle Brauntöne und durch das ansonsten grüne Bild.

Durch die verschiedenen Farbtöne, die sich unregemäßig abwechseln, und die unterschiedlichen Stukturen aus gesponnenem Garn und ungesponnen Fasern wirkt das Gewebe plastisch und lebendig. Es kann als Wandbild oder als Tischläufer verwendet werden und lässt an trüben Tagen die Vorfreude auf den Frühling aufblühen.

Das hier gezeigte gewebte Bild ist ca. 40 x 140 cm groß. Als Teppich eignet es sich nur bedingt, da die „Blätter“ aus ungesponnener Wolle nicht so haltbar sind wie das übrige Gewebe aus gesponnener Wolle und sich bei stärkerer Beanspruchung auflösen können.