Haselkätzchen-Tee

In vielen Regionen sind bereits im Januar die Haselkätzchen an den Sträuchern zu sehen. Sie zeigen im phänologischen Kalender den Beginn des Vorfrühlings an – ein Tee daraus ist wird in der Volksmedizin als Frühjahrskur genutzt.

Der Haselstrauch – korrekterweise auch die „Gemeine Hasel“ (Corylus avellana) – ist in Europa weit verbreitet, er wächst oft an Wald- und Wegrändern und ist auch in Gärten und Parks häufig anzutreffen, wenn auch meist in einer kultivierten Form.

Auch wenn man beim Haselstrauch vor allem an die leckeren Nüsse denkt, sind auch die Blätter und Samenstände essbar. Beides wird in der Volksmedizin vor allem als Tee verwendet. Die Blätter werden in der Regel nicht pur aufgegossen, aber sie finden sich dafür häufig in Kräutertee-Mischungen. Sie haben keinen starken Eigengeschmack, aber eine leicht zusammenziehende (adstringierende) Wirkung und sind auch wegen ihrer etwas rauen Oberfläche, das die Mischung stabilisiert, ein beliebtes Füllmittel.

Die sogenannten „Kätzchen“ sind der männliche Blütenstand der Hasel. Ihr Aussehen ist weithin bekannt und vor allem von Allergikern gefürchtet. Um die weiblichen Blütenstände zu entdecken, aus denen sich später die Haselnüsse entwickeln, muss man dagegen schon sehr genau hinsehen. Sie sind winzig klein und wirken geradezu exotisch.

Für den Haselkätzchen-Tee werden die männlichen Blütenstände genutzt. Diese sind im zeitigen Frühjahr noch fest geschlossen, wirken kompakt und die Oberfläche sieht leicht geschuppt aus. Wenn die weiblichen Blütenstände auch entwickelt sind, öffnen sich die männlichen und entlassen mithilfe des Winds die berüchtigten Pollen in großer Anzahl in die Umgebung, wo sie auf die weiblichen Blüten treffen.

Wer die Hasel vor seiner Haustür für sich genauer entdecken möchte, kann an einem Citizen-Science-Projekt von „Flora Incognita“ teilnehmen. Unter „PollenNet“ werden dort die Entwicklungsstadien der Hasel von möglichst vielen TeilnehmerInnen dokumentiert und ausgewertet, um die Pollenflug-Vorhersage künftig weiter zu verbessern: https://floraincognita.de/citizen-science-pollennet/

„Flora Inconita“ ist im Übrigen auch eine sehr hilfreiche App fürs Handy, um Wildpflanzen zu bestimmen und mehr über sie und die Vielfalt der Natur, die uns umgibt, zu lernen. Für die Nutzung von Wildpflanzen als Lebensmittel kann sie ein guter Start sein, aber sie ist – wie jede andere App auch – nicht zu 100% sicher. Deshalb immer weitere Bestimmungshilfen zu Rate ziehen (siehe Hinweis).

Für einen Tee sind die Haselkätzchen in beiden Stadien geeignet, für andere Zubereitungen eignen sicher eher die geschlossenen Blütenstände (z.B. süß-sauer eingelegt) oder die geöffneten (z.B. karamellisierte Haselkätzchen oder Haselkätzchen-Schokoladenbruch)

Haselkätzchen-Tee

Für einen Tee-Aufguss werden für eine große Tasse (ca. 250 ml) etwa 15-20 Haselkätzchen benötigt.

Die Haselkätzchen in ein Teesieb geben und mit dem kochenden Wasser aufgießen. Die Haselkätzchen sollten im heißen Wasser schwimmen können. Anschließend nach Möglichkeit abdecken und ca. 15 Minuten ziehen lassen, bis sich die Farbe deutlich verändert hat und der überwiegende Teil der Blütenstände abgesunken ist.

Das Teesieb entfernen und den Tee heiß bis warm trinken. Er wirkt leicht schweißtreibend und kurbelt den Stoffwechsel an, weshalb er traditionell im Frühjahr über 2-3 Wochen getrunken wird. Für Menschen mit Pollenallergie ist der Tee allerdings nicht geeignet.

Und auch wenn es Haselkätzchen in großen Mengen gibt und die Pflanze mit ihren Pollen geradezu verschwenderisch umgeht, darf beim Sammeln nicht vergessen werden, dass die männlichen Blütenstände meist die erste Nahrungsquelle im Jahr für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten ist. Deshalb immer nur eine moderate Anzahl sammeln und diese auch verwenden.

Über die reifen Früchte der Hasel freuen sich nicht nur wir Menschen, sondern auch viele Vögel und vor allem auch die Haselmaus. Sie hat ihren Namen nicht von ungefähr, denn sie ernährt sich gern von Haselnüssen, aber auch von Brombeeren und anderen Früchten. Sogar an Wildpflaumen, auch wenn diese für Haselmaus eher unhandlich sind – Abwechslung muss sein 😉

Also dann, auf einen Haselkätzchen-Tee unterm Haselstrauch – vielleicht kommen ja mal wieder ein paar Haselmäuse vorbei…

Wichtiger Hinweis: Wildpflanzen und andere Pflanzen dürfen nur als Lebensmittel verwendet werden, wenn sie 100%ig sicher bestimmt werden können! Für die sichere Erkennung unbedingt zuverlässige Bestimmungsbücher zu Rate ziehen und an Wildpflanzen-Führungen und -Schulungen teilnehmen. Die Verwechslung mit giftigen Doppelgängern muss ausgeschlossen werden können!

Auch für die äußerliche Anwendung von Wildpflanzen ist eine absolut sichere Bestimmung Voraussetzung. Selbst für Dekorationszwecke, insbesondere für Tischdekoration sollten nur ungiftige Wildpflanzen verwendet werden.

Außerdem unbedingt die Vorschriften zum Naturschutz beachten und nur nachhaltig sammeln! Unter Schutz stehende Wildpflanzen dürfen nicht gesammelt werden!


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Autor: Maison Rieck Manufaktur

Kräuterpädagogin, Fermentista, leidenschaftliche Köchin, Naturmaterial-Künstlerin, Fränkin

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