Vor allem nach winterlichen Stürmen findet sich unter Birken ein Material, aus dem sich wunderbar kleine Körbe binden lassen: frisches Birkenreisig!


Als Reisig werden allgemein dünne Zweige eines Baumes oder Strauchs bezeichnet. Birkenreisig ist im Gegensatz zum Reisig vieler anderer Bäume nicht nur besonders dünn, sondern auch sehr lang und biegsam. Diese Eigenschaften machten die Birkenzweige früher zu einem beliebten Material für Besen und andere nützliche Gegenstände für Haus und Hof. Das Naturmaterial war leicht verfügbar und einfach zu verarbeiten.
Leider sind Besen aus Birkenreisig heute kaum noch irgendwo zu finden, da sie – wie viele andere Gegenstände des täglichen Lebens – durch Kunststoffe ersetzt wurden. Ähnlich verhält es sich mit Körben aus Birkenreisig. Aber zum Glück lassen sich sowohl Besen als auch Körbe aus diesem heimischen Naturmaterial selbst herstellen.
Verwendet werden möglichst dünne, lange Reiser der Birke. Sie sollten noch nicht lange auf dem Boden gelegen haben, da sie sonst eventuell brüchig werden. Feuchtigkeit und Sonnenlicht setzen den dünnen Zweigen schneller zu, als dies bei dickeren Ästen der Fall ist. Sind die Birkenreiser erst einmal gesammelt und getrocknet, sind sie lange haltbar.


Das Sammeln von am Boden liegenden Reisig in haushaltsüblichen Mengen ist in Deutschland grundsätzlich überall erlaubt. Die möglichst frisch gesammelten Birkenzweige werden vor der Verarbeitung, falls nötig, getrocknet. Für einen Korb mit einem Durchmesser von ca. 30 cm werden etwa drei Bündel langer Birkenreiser benötigt, wobei ein Bündel so dick ist, dass man es gerade noch in der Hand halten kann.
Korb aus Birkenreisig
Material:
Außer dem Birkenreisig ist nur ein stabiles Garn oder eine dünne Schnur, idealerweise aus Naturmaterial (z.B. Leinen, Brennnessel, Sisal oder Jute) und eine Nadel nötig.
Anleitung:
Der Korb wird von der Mitte aus spiralförmig gewickelt und mit dem Garn gebunden.


Für den Anfang sucht man sich ein kleines Bündel aus besonders dünnen Reisern zusammen und bindet es am dünnen Ende mit dem Garn fest zusammen. Ein Ende des Garn sollte dabei ca. 80 cm lang sein. Das lange Ende des Garns so oft fest um das kleine Bündel wickeln, bis ca. 6 cm umwickelt sind.
Dann das Garn in die Nadel fädeln und das umwickelte Stück zu einem engen Kreis biegen.


Das Garn mit Hilfe der Nadel mehrmals durch das entstandene Loch ziehen, das Reisigbündel dabei gegen den Uhrzeigersinn um den kleinen Kreis herum legen und mit dem Faden fixieren.
Spätestens am Ende der ersten Runde neue Reiser in das vorhandene Bündel einlegen (ab jetzt mit dem dickeren Ende voran und möglichst in der Mittel der noch vorhandenen), so dass dieses kontinuierlich verlängert wird und an Stärke zunimmt.
Nachdem die erste Runde abgeschlossen ist, wird der Boden des Korbs weiter spiralförmig aufgebaut. Zu Beginn ähnelt er einem Schneckenhaus, da die Runden zunehmend etwas dicker werden. Ab der vierten Runden bleibt die Stärke des Reisigbündels allerdings gleich, das heißt es werden nur so viele neue Reiser in das Bündel eingelegt, dass es verlängert wird, aber nicht mehr dicker.


Das Garn wird dabei immer von vorne um das Bündel herum geführt und mit der Nadel durch den Faden der vorherigen Reihe gezogen. Die Bindung muss relativ straff sein, damit der Korb später in sich stabil ist. Wenn das Garn zu Ende geht, wird ein neues Stück von ca. 80 cm Länge angeknotet. Der Knoten sollte sehr fest sein (Weberknoten), so dass er nicht aufgeht, wenn die kurzen Enden später abgeschnitten werden. Und er sollte nach Möglichkeit zwischen den Reisigbündeln liegen, so dass er nicht sichtbar ist.


Der Abstand zwischen den Umwicklungen wird nach außen immer größer. Sollte er zu groß werden, so dass der Korb ggf. nicht stabil genug wird, sind zwischendurch zusätzliche Umwicklungen nötig.
Wenn der Boden des Korbes den gewünschten Durchmesser erreicht hat (ca. 20 cm), wird der Rand nach oben gearbeitet. Dafür wird in den folgenden Runden das Reisigbündel leicht nach oben/innen versetzt angelegt und festgewickelt.


Den Rand so hoch arbeiten wie man ihn haben möchte. Ein etwas höherer Rand verleiht dem Korb allerdings mehr Stabilität als ein flacher Rand.
Wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, das Reisigbündel nicht mehr durch neue Reiser verlängern, sondern auslaufen lassen. Das Garn am Schluss verknoten und die noch überstehenden Enden der Stellen, an denen das Garn verlängert wurde, vorsichtig abschneiden.
Fertig ist ein Korb, der nachhaltiger kaum sein könnte: aus heimischem Pflanzenmaterial, vom Wind „geerntet“ und nur mit einem Garn aus Pflanzenfasern zusammengehalten. Und wenn er irgendwann ausgedient haben sollte, lässt er sich einfach kompostieren.



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