Netz aus Brennnessel-Fasern

Aus Brennnessel-Fasern lassen sich Kordeln herstellen, die stabil und flexibel zugleich sind. Man kann sie wie Bindfaden verwenden oder – wie schon seit der Steinzeit – mit Hilfe einer einfachen Holznadel zu einem Netz verarbeiten.

Um ein nadelgebundenes Netz aus Brennnesselfasern bzw. -bast herzustellen, braucht man eine ausreichende Menge an frischen Brennnessel-Pflanzen. Wie aus diesen die Bastfaser gewonnen wird und daraus eine Kordel entsteht, ist im Beitrag „Kordel aus Brennnessel“ beschrieben.

Um mit dem Netz zu beginnen, ist eine mindestens 2 Meter lange Kordeln notwendig. Da beim Nadelbinden der Faden bzw. die Kordel immer mit Hilfe einer Nadel durch eine Schlaufe gezogen werden muss, sollte das Kordel-Stück aber auch nicht viel länger sein. Wenn das Stück Kordel verarbeitet ist, wird sie am offenen Ende mit der beschriebenen Technik weiter verlängert. Auf diese Weise wird der Bedarf an Brennnessel-Kordel immer nachproduziert.

Das Blattgrün der Fasern verblasst nach einer Weile aus und es treten dann interessante Gelb- und Rottöne in den Vordergrund, was einem Netz aus Brennnesselfaser ein interessantes Farbspiel verleiht.

Eine Nadel zum Nadelbinden kann sehr einfach aus einem kleinen Stück Holz geschnitzt und mit einem Öhr versehen werden. Nadelbindenadeln aus Holz, Horn oder Bein sind bei Anbietern von Mittelalter-Handwerk auch zu kaufen. Alternativ eignet sich auch eine große Webnadel aus Metall mit einem Öhr, das groß genug ist, dass die Brennnessel-Kordel hindurch passt.

Nadelgebundenes Netz aus Brennnesselbast

Material

  • Brennnessel-Kordel
  • Webnadel aus Holz, Horn, Bein oder Metall

Anleitung

In den Anfang der Kordel eine Schlaufe knoten. Das offene Ende der Kordel durch die Webnadel ziehen. Dann mit der Kordel eine Schlinge legen, durch die mit Hilfe der Webnadel eine weitere Schlinge gezogen wird. Die beiden Schlingen fixieren sich dabei gegenseitig.

Für die erste Runde mehrere Schlingen immer wieder in die erste Schlaufe ziehen, bis eine Runde geschlossen werden kann.

Nach der ersten Runde genauso weiterarbeiten. Dabei entsprechend der Bilder/Skizze immer in die darunter liegende Schlaufe und die vorherige Schlaufe einstechen. Anschließend die Kordel mit Gefühl so weit durchziehen, dass die Schlaufen in etwa immer die gleiche Höhe haben.

Um den Durchmesser des Netzes zu vergrößern, in der zweiten Runde in jede zweite Schlaufe zweimal einstechen. Ab der dritten Runde in jede dritte Schlaufe zweimal einstechen.

Wenn die Kordel aufgebraucht ist, am offenen Ende mit weiteren Bastfasern wieder ein Stück verlängern und die Nadelbindung fortsetzen.

Den Bodens des Netzes bis zum gewünschten Durchmesser erweitern (z.B. 20 cm). Anschließend ohne weitere Zunahme die Seite des Netzes arbeiten. Wenn das Netz nach oben enger werden soll, verteilt einzelne Schlingen beim Nadelbinden überspringen.

Die Seiten des Netzes so hoch arbeiten wie gewünscht (zum Beispiel 20 cm)

Zum Fertigstellen des Netzes die gedrehte Kordel aus Brennnessel-Bast auslaufen lassen und das Ende vernähen.

Mit dieser Nadelbindetechnik und der Brennnesselfaser-Kordel entsteht ein sehr haltbares Netz, das gleichzeitig flexibel ist. Durch Benutzung werden die Kordeln und damit auch das ganze Netz weicher, aber sie sind dennoch stabil. Brennnesselfasern besitzen eine sehr hohe Zug- und Reißfähigkeit, weshalb sie schon seit Jahrtausenden von Menschen zu Kordeln, Seilen und Netzen verarbeitet wurden.

Mit dieser und all ihren anderen wertvollen Eigenschaften wäre die Brennnessel durch Übernutzung wahrscheinlich längst ausgerottet, wenn sie sich nicht durch ihre Brennhaare schützen könnte.


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Avatar von Unbekannt

Autor: Maison Rieck Manufaktur

Kräuterpädagogin, Fermentista, leidenschaftliche Köchin, Naturmaterial-Künstlerin, Fränkin